Poprechte

»Auf die Frage ›War Beuys ein nationaler Revolutionär?‹ urteilt Ansgar Martins in einem Video von ›Beuys behind the scenes‹, er sei ein ›Katalysator des Postnazismus‹. Diese Deutung ginge Manheim womöglich zu weit, da er bei Beuys zuvorderst Naivität, Mangel an historischem Bewusstsein und grenzenlose Selbstüberschätzung am Werk sieht und damit so tut, als ließe sich Beuys’ Anschlussfähigkeit für Ökofaschisten, antisemitische Anthroposophen und heimatverliebte Kunsthistoriker aus seiner Kunst ausklammern. Aber wie Wolfgang Brauneis einmal gezeigt hat, hat Beuys für die künstlerische Sphäre der BRD eine ähnliche Funktion übernommen wie Heino für die musikalische. Beide verkörpern für die postnazistische Gesellschaft der Bundesrepublik die Verdrängungsleistung und die Unfähigkeit zu trauern geradezu perfekt.«
Chris W. Wilpert, ›Beuys spricht Deutsch‹, in ›Jungle World‹, 2021/41 (9.12.2021. Rezensionsessay zu: Ron Manheim, ›Beim Wort genommen. Joseph Beuys und der Nationalsozialismus‹, Neofelis-Verlag: Berlin 2021.)

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