Geschichte,
Fortschritt,
Subjekt
Survival of the fittest: das ist Überleben durch Anpassung. Erst die Moderne bringt gesellschaftliche Verhältnisse hervor, durch die das von Spencer formulierte und für Darwins Theorie gemeinte Evolutionsgesetz ausgehebelt ist: Anpassung sichert nicht mehr das Überleben. An die durch den Gang des Fortschritts bedingten Zustände von Elend, Armut und Hunger kann sich kein Mensch mehr anpassen; der Kapitalismus, der den Menschen als Naturverhältnis gegenübertritt, hat die als Überlebensfähigkeit geübten Anpassungen in gesellschaftliche Leistungen und Zwänge des Konformismus übersetzt, die den Menschen permanent mit Integration und Desintegration bedrohen. Selbst die Möglichkeit der ideologischen Anpassung ist obsolet; es gibt keinen garantierten Schutz der Tarnung mehr, sich durch Unterordnung und Mitmachen im Alltagsgeschehen durch Unauffälligkeit versteckt zu halten. Ebenso dort, wo die Zivilisation sich gegen ihren unmittelbaren Umschlag in Barbarei behauptet, in der so genannten westlichen Welt, bietet sie keine Sicherheit zu überleben. Das heißt mithin, dass die auch Zivilisation keinen Maßstab mehr darstellt, mit dem sich Geschichte, ein geschichtliches Ziel oder ein geschichtlicher Fortschritt begründen ließe.
Kritik
Vor zwanzig Jahren, im September 1995, erschien die erste Ausgabe des Buchmagazins ›testcard. Beiträge zur Popgeschichte‹. Thema: »Pop & Destruktion«, damals noch im Testcard Verlag Oppenheim. Testcard heißt Testbild. Wikipedia informiert: »Testbilder dienen zur Beurteilung der Bildqualität von Fernsehapparaten und Monitoren sowie zur Unterstützung bei Bildeinstellung und Fehlersuche … Bis Ende der 1980er Jahre wurden die Testbilder einige …
Negative Dialektik und Erfahrung (1)
Die Kritik der neueren kritischen Theorie an der älteren fixiert sich in der Regel auf die Aporien der »Dialektik der Aufklärung«. Dabei wird die geschichtsphilosophische Konstruktion mit »katastrophischem Blick«, wie Habermas sagt, mit einer Einseitigkeit kritisiert, die auch nachfolgende Werke Adornos und Horkheimers unter den Vorwurf der Geschichtsphilosophie subsumiert. Adornos nichtidentisches Denken und auch seine Versöhnungskonzeption, schlichtweg die …
Mehr als eine gute Biographie
»Adorno war Philosoph, zugleich jedoch Soziologe und Psychologe und einer der größten Kenner der Musik in der Gegenwart, selber Komponist«, sagte Horkheimer einst über seinen Kollegen. Das umfangreiche Schaffen Adornos ist schwer in einem Buch unterzubringen. Wiggershaus hat mit seiner Adorno-Biographie jedoch gezeigt, dass es geht. Er legt ein Werk vor, dass sowohl dem Laien, als auch dem …
Widerstand, Ästhetik, Peter Weiss
* * * Oskar Negt: »… Wie gehen wir mit der geschichtlichen Erbmasse unseres Jahrhunderts um, die so tief in unsere Gegenwart hineinragt, dass wir alle darum bemüht sein müssten, das 20. Jahrhundert in unserem Kopf, ja auch in unserer Psyche noch einmal zu wiederholen, um Materialien für eine Durcharbeitung zu suchen.« Wolfgang Fritz Haug: »Für mich hatte …
Mut zur Utopie!
Heute bei einem Stand libertärer Genossen auf dem Schanzenfest-Flohmarkt entdeckt und freilich erstanden: Otto Rühle, ›Baupläne für eine neue Gesellschaft‹, hg. von Henry Jacoby in der Reihe: »rororo-Klassiker Texte des Sozialismus und Anarchismus«, Rowohlt Verlag: Reinbek bei Hamburg 1971, 254 S. Das Buch sollte 1939 unter dem Titel ›Mut zur Utopie‹ im Kacha-Verlag in Prag erscheinen, die Fahnen …









