Radiobücherkiste Oktober 2015

›Ernst Bloch, Prinzip Hoffnung‹, FSK Radiobücherkiste, 16. Oktober 2015, 10:00 bis 12:00 Uhr.

Es geht um Ernst Bloch (1885 bis 1977) und sein Hauptwerk ›Das Prinzip Hoffnung‹: drei Bände, insgesamt knapp 1.600 Seiten, geschrieben in den USA im Exil zwischen 1938 und 1947, überarbeitet und veröffentlicht zwischen 1954 bis 1959.

Stichpunkte (grob):

Die Fragen am Anfang (»Wohin gehen wir?« etc.) korrespondieren mit dem Schlusswort: »Heimat«.

Bloch schreibt eine Philosophie der Hoffnung, aktualisiert das Unabgegoltene des Idealismus (Hegel, vor allem Schelling) als Materialismus. Im Unterschied zu Horkheimer und Marcuse wird Philosophie nicht in kritischer Theorie aufgehoben, sondern als Philosophie der Praxis verwirklicht.

Im Zentrum stehen die Feuerbachthesen von Marx, insbesondere die elfte: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.« (1845; MEW Bd. 3, S. 7)

Auch wenn ›Das Prinzip Hoffnung‹ in seiner philosophischen Sprache vielleicht zunächst unzeitgemäß erscheint, ist das Buch doch sehr amerikanisch.

Es geht um die Kritik der Möglichkeit, weniger um die Kritik der Wirklichkeit. (Elend, Terror, Massenmord kein Thema, weil es für eine Philosophie der Hoffnung nichts bringt.)

Weltveränderung aus der objektiven Tendenz und Latenz heraus. Trotzdem, oder besser: gerade so ist eine verändernde Praxis auf den subjektiven Faktor verwiesen. (Das verknüpft konkrete Utopie mit dem Prinzip Hoffnung.)

Adornos Kritik, dass Hoffnung kein »Prinzip« ist. – »Prinzip« aber hier eher als ›Anfang‹, als Voraussetzung, principium individuationis etc., nicht als Verwaltungsregel, nicht als Gesetz. (Karl Kraus: »Ursprung ist das Ziel.«)

Im zweiten Teil geht es um die Frage der Aktualität.

Von Thomas Assheuer erschien 2009 in der ›Zeit‹ ein Text: ›Die Welt am Enterhaken. Vor fünfzig Jahren erschien Ernst Blochs »Das Prinzip Hoffnung«. Warum wir heute so nicht mehr denken können‹ (5. November 2009).

Wir können nicht mehr so denken. Aber wir müssen so denken, wir können nicht anders denken.

Musik:
Peter Licht, ›Lied vom Ende des Kapitalismus‹
A Tribe Called Knarf, ›Es ist die Wahrheit obwohl es nie passierte / Die Nacht. Eine Maschine mit Fehlern‹
The Third Wave, ›Maiden Voyage‹
Bobby Con, ›Kind for a Day‹
Tortoise, ›Prepare Your Coffin‹
Synaesthesia, ›Technology Killed The Kids‹
Massive Attack, ›Unfinished Sympathy‹
Lawrence, ›Anne Will‹

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