Radiobücherkiste
März 2016

Stell Dir vor,

es ist Revolution,

und alle gehen hin –

aber keiner macht sie!

Kritik der Popkulturindustrie

Die Konsumenten wissen, mit was für einen Schrott sie von der Kulturindustrie im Großen und Ganzen beliefert werden: »die vollends durchschauten Kulturwaren« (Adorno / Horkheimer) bezeichnen die Erweiterung der Kulturindustrie zur Reklameindustrie. Selbstverständlich gehört zur Unterhaltung dazu, dass man irgendwie auch über die Dinge Bescheid weiß und sich kritisch gibt.
Seit den 1950er Jahren wurde solche »Kritik« unter dem Vorzeichen des Pop sukzessive als eine Art von ästhetischem Verbraucherschutz installiert: die reflexive Vergewisserung darüber, dass der Spaß, den man sich gönnt, eigentlich ziemlich blöd ist, ist heute endgültig Programm: selbst das Feuilleton der konservativen Zeitungen ist voll mit Verbalradikalismen, jede Band, die etwas auf sich hält, gibt sich provokativ und findet den Kapitalismus doof, zwischen Youtube und Facebook tummeln sich Ressentiments ebenso wie Revolutionsparolen. Hauptsache laut. Die Stimme des realen Humanismus, die Kultur auch als Kommunismus verteidigt, ist kaum noch zu hören – und wenn doch, dann klingt sie lächerlich. Was ist hier los?

Musik

  • Lindsay Cooper, Chris Cutler, Bill Gilonis, Tim Hodgkinson, Robert Wyatt: ›Moments of Delight‹, von: ›The Last Nightingale‹ (1984)
  • Keith Jarrett, ›The Köln Concert – Part I‹, von: ›The Köln Concert‹ (1975)
  • Nils Frahm, ›Unter – Tristana – Ambre‹, von: ›Spaces‹ (2013)

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