Der Schlaf der Vernunft
Lieschen: »Nicht mir, nicht mir!
Zu Hilfe kamen äußere Momente,
Doch alles dankst du lediglich am Ende
Dem eignen Selbst, das ernst und tief
Dir wieder ins Bewusstsein rief
Ihn, der vorübergehend schlief:
Kants kategorischen Imperativ.«
– Friedrich Theodor Vischer, ›Faust. Der Tragödie dritter Teil‹
Laokoon stirbt
Anfang des sechzehnten Jahrhunderts wird in Rom zwischen Ruinen eine Marmorskulptur entdeckt, die als Laokoon-Gruppe berühmt wird und seither im Vatikanischen Museum zu besichtigen ist. Sie zeigt den trojanischen Priester Laokoon und seine beiden Zwillingssöhne im Todeskampf mit zwei von Athena geschickten Schlangen. Die Figurengruppe, die übrigens selbst eine Kopie ist, hat für das Menschenbild der Renaissance und der Neuzeit enorme Bedeutung – auch wenn oder gerade weil sie vom Mythos handelt: Denn hier geht es durchaus um die Wirklichkeit, und überdies um die Frage, inwieweit Kunst geeignet ist, diese Wirklichkeit als solche zu erfassen. Können Schmerz und Leiden mit den Mitteln der Schönheit dargestellt werden? Lässt sich ästhetisch das Sterben anschaulich machen? Bereits in der Antike werden diese Fragen in Hinblick auf die Unterschiedlichkeit der Künste untersucht. Mit der Renaissance entwickelt sich daraus um 1500 der so genannte Paragone, der Wettstreit der Künste, bei dem hauptsächlich Malerei versus Plastik versus Architektur verhandelt wurden (der Streit beginnt 1430 mit Leon Battista Albertis Schrift ›Trattato della pittura‹, in der er sich für die Malerei ausspricht).
Hallenbaduniversität
Februar 2016
Thema: Anmerkungen und Notizen zu den Olympischen Spielen: überhaupt und in Rio de Janeiro (Brasilien) 2016. (13)
Design
»[Die soziale] Funktion, die dem Design als Ausdruck von Schönheit und gutem Geschmack in (käuflicher Form) zukommt, es ist die billigste Weise, jedermann das Gefühl zu geben, er könnte über den ästhetischen Ausdruck des gesellschaftlich Besseren an diesem Besseren selbst teilnehmen – zum schönen Schein.« – Lothar Baier, ›Höhlengleichnis vom Supermarkt‹, in: ›Das Argument‹, Nr. 257 (2004), S. 739 (zuerst in der FAZ, 1972)
Wie man leben muss
»Ich bin kein Philosoph … Mich interessiert zu wissen, wie man leben muss. Noch genauer: Wie man leben kann, wenn man weder an Gott noch an die Vernunft glaubt.« – Albert Camus im Interview mit ›Servir‹ (20. Dezember 1945)
Jahrhundertwende
Wolfgang Fritz Haug: »Mir scheint, dass man in anderer Hinsicht sagen könnte: so wenig Anfang wie im Moment war noch nie. Es scheint keine Energien, keine Phantasie, keine Kräfte, keine Handlungsfähigkeit zu geben, um dieses herumliegende Material zu bearbeiten.« (›Ende der Nachkriegszeit – Ende des Antifaschismus?‹, Oskar Negt im Gespräch mit Wolfgang Fritz Haug, in: ›Das Argument. Zeitschrift …


