Streifzüge 64
Die Streifzüge No. 64 sind erschienen. Thema: Sozialkritik.
Die Rückkopplung diesmal über Helene Fischer: ›Die Stimme und das Phänomen‹.
Freibaduniversität
Juli 2015
›Was tun? Überlegungen zum neuen Kommunismus und zur elften Feuerbachthese von Marx‹
Das aktionistische Gepolter von der bevorstehenden Revolution, Idee des Kommunismus, Erwachen der Geschichte etc. ist bestenfalls naiv, schlimmstenfalls reaktionärer, oder, in bewährter Terminologie gesagt, konterrevolutionärer Verrat am realen Humanismus.
Die Paralyse der Kritik wird durch eine Form des Krititainments gedeckelt. Die Revolution erklärt mittlerweile Russell Brand.
Das Unbehagen in der Bewusstseinsindustrie
Eine Gruppe von Bachelor-Studierenden echauffiert sich auf einem eigens eingerichteten Blog im Internet über eine Vorlesung von Herfried Münkler, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Humboldt-Universität Berlin; darüber wiederum echauffiert sich dieser, das Feuilleton bekommt Wind davon und echauffiert sich ebenfalls über die Studierendengruppe.
Der nächste Morgen
»Ich zog mich an. Du prüftest meine Beine.
Es roch nach längst getrunkenem Kaffee.
Ich ging zur Tür. Mein Dienst begann um neune.
Mir ahnte viel –. Doch sagt ich nur das Eine:
›Nun ist es aber höchste Zeit! Ich geh …‹« – Mascha Kaléko
»Im Handgemenge mit der Wirklichkeit bleiben«
»Es gibt kein richtiges Leben im falschen«, heißt es prägnant und bekannt in Theodor W. Adornos ›Minima Moralia‹, seiner Sammlung von »Reflexionen aus dem beschädigten Leben«. Adorno emigrierte, lebte seit 1938 in den USA, zunächst in New York, dann in Los Angeles. Als er an den ›Minima Moralia‹ arbeitete, war er kurz über vierzig Jahre alt. In Deutschland regierte der Terror, mittlerweile als gesellschaftliche Normalität eines durch und durch faschisierten Alltags.
Gut zwei Jahrzehnte jünger als Adorno ist Peter Brückner: 1922 in Dresden geboren, in bürgerlichen, wenn auch bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, »gebildeter Mittelstand am Rande der Verarmung«: der Vater Mathematiker, Ingenieur, seit 1929 arbeitslos, auch nach 1933 keine Ambitionen, eine feste Anstellung zu bekommen; die Mutter Konzertsängerin – Engländerin und Jüdin, was aber den Nazis gegenüber verheimlicht werden konnte; sie ging im Frühjahr 1936 zurück nach England. Als Kind war Peter oft alleine, wurde rebellisch und schlecht in der Schule, stromerte herum. Im Winter 1935 drohte Fürsorgeerziehung: ein »geborener Dissident«, der schnell eine »anarchische Lust des Abseits« entwickelte, so Peter Brückner später im Rückblick. Als Jugendlicher verbrachte er einige Jahre in einem Internat in Zwickau; im Sommer 1939 flog er dort raus, kam zurück nach Dresden, wieder auf das dortige Realgymnasium. Der Siebzehnjährige findet Kontakt zu Kommunisten im Untergrund, liest viel. »Wer das Nichtstun ebenso wie die Arbeit scheut, findet leicht zum Buch«, notiert er später in seinem autobiografischen Essay ›Das Abseits als sicherer Ort‹.



