Flying Lotus
Kurznotiz, Dez. 2016: Ich habe dieses Album viel zu spät gehört, endlich (im April geschenkt bekommen, mit dem Kommentar: »Ist anstrengend! Müsste Dir gefallen!«). Es ist so: Wenn alle Musik, die ich je gehört habe, ein Echo hätte, dann wäre es auf diesen vier Seiten eingefangen (und das schreibe ich nicht nur als Herbie Hancock-Fan, sondern auch als …
Kann Gesellschaft Gestaltung (verändern)?
Die Frage ist: Kann Gestaltung Gesellschaft verändern?
Es ist die erste Jahresfrage, die das »projekt bauhaus« auslobte (für das Jahr 2015).
Eine Tagung hat stattgefunden, es wurde vorgetragen und diskutiert. Beiträge und Ergebnisse der Debatte sind jetzt Thema der Ausgabe 222 von ›Arch+‹, der ›Zeitschrift für Architektur und Städtebau‹.
Die Zeiten, in denen man durch Film und Fernsehen etwas lernen kann, sind endgültig vorbei
Die Zeiten, in denen man durch Film und Fernsehen etwas lernen kann, sind endgültig vorbei. Überhaupt ist die Annahme einer pädagogischen oder bildungsmäßigen Medienspezifität eine Ideologie. Auch die Lektüre eines Buches macht an und für sich allein noch nicht klüger. Trotzdem trägt das, was seit einigen Jahrzehnten im erziehungswissenschaftlichen Jargon operationalisiert »Lese-Kompetenz« genannt wird, durchaus zum je individuellen »Lernen« bei: Wer lesen kann, hat in dieser Welt einen Vorteil. Fraglich allerdings, ob dieser Vorteil bildungsrelevant ist, nämlich relevant in Hinblick auf Selbstermächtigung und Emanzipation des Subjekts (zu erinnern ist in diesem Zusammenhang Ivan Illichs altes Interventionsplädoyer für die Entschulung der Gesellschaft; er kritisierte etwa die gut gemeinten Alphabetisierungskampagnen in Latein- und Mittelamerika, sie würden traditionelle Strategien der Selbst- und Weltaneignung verdrängen und damit stabile Sozialbindungen zerstören …). Film und Fernsehen haben die Menschen unterm Strich weder dümmer noch klüger gemacht; und sicher gibt es im Kino und TV viel Dummes, ebenso auch Gutes (und manche sagen hier: viel Gutes).
Indes: Aus einem Buch für sich Momente der Selbstbildung zu gewinnen, setzt Lesen (»Lese-Kompetenz«) nicht zwingend voraus. Edward P. Thompson hat in seiner Großstudie ›The Making of the English Working Class‹ (1963) darauf hingewiesen, dass es im neunzehnten Jahrhundert in Proletarierhaushalten – nebenbei: das sind Haushalte, wo mehrere Familien in kleinen Wohnungen zusammen hausen – durchaus üblich war, etwa Karl Marx’ ›Das Kapital‹ in der Küche im Regal stehen zu haben. Lesen konnten die wenigstens, wer es konnte, las in den wenigen Stunden der Freizeit den anderen vor; was drin steht in diesem Buch, wusste man mithin aus der Fabrik, erfuhr man tagtäglich am eigenen Leib. Allein zu ahnen, dass hier aber erklärt wird, warum das Leben in Manchester, Liverpool, London etc. so ist wie es ist, war initial für die Lektüre des Buches, auch wenn man es selber gar nicht lesen konnte.
Freibaduniversität
Mai 2016
Erziehung nach Auschwitz (II) Thematische Fortsetzung der Aprilsendung (6. April 2016, 14.00 bis 15.00 Uhr). Eine Erziehung, die es mit der Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei (und nichts Ähnliches geschehe), ernst meint (und zwar endlich ernst meint, weil nach Auschwitz durchaus Ähnliches passierte und noch weiter passiert), hätte sich, so Adorno vor fünfzig Jahren in seinem …
Technologie und Kapital
Besprechung folgt, vor allem in Hinblick auf etwa: Richard Vahrenkamp (Hg.), ›Technologie und Kapital‹, Frankfurt am Main 1973 (Insb. wegen der Beiträge: Alfred Sohn-Rethel, ›Technische Intelligenz zwischen Kapitalismus und Sozialismus‹, S. 11 ff. Und: André Gorz, ›Technische Intelligenz und kapitalistische Arbeitsteilung‹, S. 94 ff.) (115)
Reflexive Bildstörungen
Kleine Notiz: Downcast Eyes / Open your Eyes / Eyes wide Shut … Bildstörung ist dem doppelten Wortsinn nach zu verstehen einerseits – so in der üblichen Bedeutung – als Störung eines Bildes, oder aber auch andererseits – zugegeben: etwas metaphorisch überzeichnet – als durch ein Bild verursachte oder bedingte Störung. Letzteres wäre zum Beispiel das besonders schreckliche …


