Denkschrift an die Lebenden über den Tod, der sie beherrscht, und die Zweckmäßigkeit, sich seiner zu entledigen

Denkschrift an die Lebenden über den Tod, der sie beherrscht, und die Zweckmäßigkeit, sich seiner zu entledigen

Von Vaneigem, dem alten Situationisten und Textrebellen, wäre durchaus mehr zu erwarten gewesen als dieses Buch, das in der französischen Originalausgabe von 1990 Adresse aux vivants sur la mort qui les gouverne et l’opportunité de s’en défaire heißt und eben im Deutschen auch hätte heißen können: „Denkschrift an die Lebenden über den Tod, der sie beherrscht, und die Zweckmäßigkeit, sich seiner zu entledigen“, nun aber appellativ, und damit dem Duktus entsprechender, übersetzt wurde als: An die Lebenden! Eine Streitschrift gegen die Welt der Ökonomie. Wollte man das Buch mit den Arbeiten Guy Debords vergleichen – ein Vergleich, der sich nicht nur durch den Situationisten-Bezug ergibt, sondern auch durch die versprochene kritische Schärfe gegen Ökonomisches –, dann ist es leider nicht die Verwandtschaft zur Gesellschaft des Spektakels, sondern eher die Kryptik und bisweilen Verstiegenheit, die sich etwa in Debords Schrift Panegyrikus findet, die sich zur – stilistischen und inhaltlichen – Analogie anbietet.

Die Ordnung der Dinge

Die Ordnung der Dinge

Wir leben wohl in einer Welt, die uns auf merkwürdige Weise kaum überrascht, die uns überraschend unmerkwürdig begegnet: zweifellos haben die technologischen Fortschritte, die in den letzten zwei Jahrzehnten in unsere alltägliche Umwelt Einzug gehalten haben, zu Änderungen von Erfahrungs- und Wahrnehmungsweisen geführt. Doch hat Automatisierung und Technifizierung offenbar weit weniger Verständnis vom Menschen abverlangt, als Zivilisationskritiker zunächst dachten; vielmehr bricht die Technik herein, als sei ihren Platz im Alltagsleben schon längst reserviert gewesen. Das mag auch deshalb sein, weil eben das gegenwärtige Verhältnis zu den Dingen weit vor der Verwirklichung der letzten technologischen Entwicklungsschritten technisch-instrumentell vorbereitet war: Verdinglichung hieß das einmal. (Text von 1999.)

Die Gesellschaft des Spektakels

Die Gesellschaft des Spektakels

Zunächst: Rezension der Neuauflage (1996) der Gesellschaft des Spektakels vom Situationisten Guy Debord. Dann: Skizze einer Polemik gegen eine vorschnelle Wende zum Utopischen, die im Windschatten der Situationisten ins Fahrwasser des Utopistischen zu geraten droht. (Ein Rezensionstext von 1997.)

Das Unsagbare

Das Unsagbare

»Jetzt wurde die Sprachlosigkeit ein Ausdruck der Situation. Es gab keine Worte mehr. Das Unsagbare ausdrücken.
Das Graphische, die Chiffren, Hieroglyphen, wenn das Wort ins Bild überging – Zwischenstadien –
Traum: Gedanken in Bildern ausdrücken – Rebussprache. Hier sehr nachdenken: was will das Traumbild sagen? Das Wort der Beschreibung zurückübersetzt in das Bild –[.]« – Peter Weiss

Ewiger Mittag

Ewiger Mittag

»Die Erde wälzt sich vom Tage in die Nacht; das Individuum stirbt; aber die Sonne selbst brennt ohne Unterlass ewigen Mittag. Dem Willen zum Leben ist das Leben gewiss: die Form des Lebens ist Gegenwart ohne Ende; gleichviel wie die Individuen, Erscheinungen der Idee, in der Zeit entstehn und vergehn, flüchtigen Träumen zu vergleichen.« – Arthur Schopenhauer

Welt

Welt

»Die Welt gehört denen, die früh aufstehen. Jedoch: welche Welt?« – Christine Rochefort

So tired of being – me

So tired of being – me

»Ich bin einfach müde. Es ermüdet mich, ›ich‹ zu sein.« – Adrian Monk

Es wimmelt

Es wimmelt

»Pflicht – Gehorsam – Arbeit: es wimmelt nur so von solchen Worten bei uns, hinter denen sich Eitelkeit, Grausamkeit und Überheblichkeit verbergen.« – Kurt Tucholsky