Rock-Buch,
Pop-Geschichte,
Comic

Herve Bourhis, der französische Zeichner, hat fünfzig Jahre Popgeschichte in ein Bilderalbum verwandelt: ›Das kleine Rock-Buch‹, passend im Singleformat, erzählt Geschichte als Comic.

Kaum wurde das berücksichtigt (deswegen hier schon einmal der Hinweis; ausführliche Rezension folgt!): Bourhis ›Rock-Buch‹ eröffnete eine ganze Reihe von großen Rock- und Pop-Historiografien; eine Auswahl sei kurz erwähnt:

• Peter Wicke, ›Rock und Pop: Von Elvis Presley bis Lady Gaga‹, C.H. Beck: München 2011, 128 S. brosch.
Kurz, knapp, gut. Vgl. auch das – immer noch – Standardwerk: Peter Wicke, ›Von Mozart zu Madonna: Eine Kulturgeschichte der Popmusik‹, Suhrkamp: Frankfurt am Main 1998.

• Ernst Hofacker, ›Von Edison bis Elvis. Wie die Popmusik erfunden wurde‹, Reclam Verlag: Stuttgart 2012, 448 S. brosch.
Tschaikowskis Neuigkeiten. Die interessanteste Rekonstruktion der sozialen und ökonomischen Bedingungen der Popmusik.

• Berthold Seliger, ›Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht‹, Edition Tiamat: Berlin 2013, 352 S. brosch.
Kritische Theorie der Popkulturindustrie als Insiderbericht. Sehr gut!

• Karl Bruckmaier, ›The Story of Pop‹, Murmann Verlag: Hamburg 2014, 352 S. Ln.
Großartig: Über eintausend Jahre Popgeschichte. Lohnt sich!

• Diedrich Diederichsen, ›Über Popmusik‹, Kiepenheuer & Witsch: Köln 2014, 474 S. brosch.
Einige sind beeindruckt von der Plattensammlung, die auf dem Cover zu sehen ist. Kaum jemand hat registriert, dass das ein Fake ist: Die Schallplatten wiederholen sich, sind zu einem Riesenarchiv zusammenkopiert. Ein bisschen ist es auch so mit Inhalt und These des Buches. Und das ist nicht verkehrt. – Bei ›Tausend Plateaus‹ von Deleuze und Guattari hatte Diederichsen 1993: »das angenehme Gefühl, dass hier zwei Leute das Buch geschrieben haben, das jeder schon immer schreiben wollte, nämlich: was in allen meinen Büchern steht und auf allen Platten drauf ist, die ich je gehört habe, nebst dem, was ich alles dazu denken kann«.1) Nun hat er das Buch selbst geschrieben.

• Mark Paytress, ›Geschichte der Rockmusik: Alles über Rock, Punk, Metal und Pop‹, Parragon: Köln 2012, 320 S. brosch.
Wird von manchen geschätzt. Andere sagen: Wikipedia reicht! Steht hier auch alles über Grindcore, Shoegazing und Drum ’n’ Bass drin?

• Günter Schneidewind, ›Der Große Schneidewind: Rock- und Popgeschichten‹, Klöpfer und Meyer: Tübingen 2012, 399 S. brosch.
Für Liebhaber, die mit Rock und Pop auch Chris de Burgh meinen. Jedenfalls klug und schön erzählt.

Dagegen freilich die These: dass es mit der Geschichte sowieso vorbei ist. Vgl. Simon Reynolds, ›Retromania. Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann‹, übersetzt von Chris Wilpert, Ventil Verlag: Mainz 2012, 424 S. brosch.

Aber auch von solchen Thesen (Pop als Mode, Wiederkehr des ewig Neuen, Sound als Rückkopplung, die Echo-Schleife etc.) kann man sich ein Bild machen mit Herve Bourhis’ ›Das kleine Rock-Buch‹.

(Fortsetzung folgt!)

  1. Diedrich Diederichsen, (1993): Freiheit macht arm. Das Leben nach Rock ’n’ Roll 1990–1993. Köln 1993, S. 175.

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