Wo noch niemand war

»Wo noch niemand war«, dann ein Doppelpunkt und das Schlusswort: »Heimat«. Damit endet das über eintausendsechshundert Seiten umfassende Hauptwerk ›Das Prinzip Hoffnung‹ des marxistischen Philosophen Ernst Bloch. »Heimat« ist Gegenbegriff zur Enge der nach Blut und Boden stinkenden Scholle, Gegenbegriff zur reaktionären Ideologie von Herkunft und Zugehörigkeit; bei Bloch gibt sie der konkreten Utopie Konturen, beschreibt das erst noch zu bauende Land jenseits des Möglichkeitshorizontes – als Welt, ja Kosmos wirklicher Bewegung, menschlicher und menschlich gewordener, gestalteter Wirklichkeit überhaupt. Realer Humanismus wurde das von Marx und Engels genannt, oder Kommunismus. Das der nicht mit dem schäbigen, gleichsam von billigen Resten der Zerfallsgeschichte durchsetzen so genannten Realsozialismus zu verwechseln – wenngleich hier ja, durchaus, gerade mit der Erfahrung des faschistischen Terrors noch im Nacken, die bessere Welt, vielleicht ein besseres Deutschland erhofft wurde: Das dachte auch Ernst Bloch, der in die DDR ging, nach Leipzig, einem Ruf an die Universität folgend. Das war 1948.
1961 blieben Ernst und Karola Bloch in der Bundesrepublik. In Tübingen nimmt Bloch eine Gastprofessur an. Einer seiner Schüler: Gert Ueding, 1968 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent von Ernst Bloch. Erinnerungen an diese Zeit hat Ueding jetzt noch einmal zusammengefasst und ausgeführt: ›Wo noch niemand war‹ heißt das Buch.
Ausführliche Rezension folgt.

Gert Ueding, ›Wo noch niemand war. Erinnerungen an Ernst Bloch‹, Klöpfer & Meyer: Tübingen 2016, 216 S. geb. mit 24 s/w-Abb.

(52)