Widerstand, Ästhetik, Peter Weiss
* * * Oskar Negt: »… Wie gehen wir mit der geschichtlichen Erbmasse unseres Jahrhunderts um, die so tief in unsere Gegenwart hineinragt, dass wir alle darum bemüht sein müssten, das 20. Jahrhundert in unserem Kopf, ja auch in unserer Psyche noch einmal zu wiederholen, um Materialien für eine Durcharbeitung zu suchen.« Wolfgang Fritz Haug: »Für mich hatte …
Mut zur Utopie!
Heute bei einem Stand libertärer Genossen auf dem Schanzenfest-Flohmarkt entdeckt und freilich erstanden: Otto Rühle, ›Baupläne für eine neue Gesellschaft‹, hg. von Henry Jacoby in der Reihe: »rororo-Klassiker Texte des Sozialismus und Anarchismus«, Rowohlt Verlag: Reinbek bei Hamburg 1971, 254 S. Das Buch sollte 1939 unter dem Titel ›Mut zur Utopie‹ im Kacha-Verlag in Prag erscheinen, die Fahnen …
Freibaduniversität
September 2015
Kulturrevolution und Gesellschaftskritik (I)
Die Vormoderne als Moderne nach der Postmoderne
Viele Bilder, die heute als Revival der Zwanziger wiederholt werden, scheinen den Wunsch nach einer sicheren bürgerlichen Lebensweise zu illustrieren: Indem sich bei der Antimoderne bedient wird, möchte man modern sein.
* * *
Die »Modern Times« – das waren die zwanziger Jahre, die mit rasanten technischen Fortschritten den Menschen das Radio, den Flugverkehr, die Schlagermusik, den Tonfilm und die Einbauküche brachten, die zu ihrem Ende hin eine neue, allgemeinverbindliche Kultur der Angestellten etablierten, mit der sich jede Verkäuferin und jeder Fabrikarbeiter jenseits der objektiven Klassenlage seine subjektiven Vergnügen in der Freizeit ausstaffieren konnte; das waren die zwanziger Jahre, in denen trotz Weltwirtschaftskrise die Menschen sich genügsam auf die Glücksversprechen der neuen Konsumgesellschaft einließen; das waren die zwanziger Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und vor dem Zweiten (die Eric Hobsbawm gerade mit Blick auf die globalen sozialen Verhältnisse der Zwanziger als einen großen Weltkrieg darstellt), das waren die Jahre, in denen das Experiment der Sowjetgesellschaft misslang, die Arbeiterbewegung sich gegen das »raffende Kapital« auf die schaffende Kraft der Arbeit kaprizierte, und der Faschismus in Italien schonmal vorlegte, was die Deutschen in systematischer Wert- und Vernichtungsarbeit ab 1933 dann gründlicher machten, etc.
In den zwanziger Jahren konzentrierte sich in einer bislang nicht gekannten historischen Dichte die später von Adorno und Horkheimer als solche beschriebene Dialektik der Aufklärung. Zu ihr gehört, dass nach 1945 sowohl progressive, demokratische, auch sozialistische Kräfte, als auch Reaktionäre und Faschisten an die Zwanziger anschließen wollten: Nicht zuletzt, weil hier eine zurückgelassene Moderne vermutet wurde, um deren Rettung oder wenigstens Wiederbelebung man sich bemühte, redlich – kulturell und politisch.
Rock-Buch,
Pop-Geschichte,
Comic
Herve Bourhis, der französische Zeichner, hat fünfzig Jahre Popgeschichte in ein Bilderalbum verwandelt: ›Das kleine Rock-Buch‹, passend im Singleformat, erzählt Geschichte als Comic. Kaum wurde das berücksichtigt (deswegen hier schon einmal der Hinweis; ausführliche Rezension folgt!): Bourhis ›Rock-Buch‹ eröffnete eine ganze Reihe von großen Rock- und Pop-Historiografien; eine Auswahl sei kurz erwähnt: • Peter Wicke, ›Rock und Pop: …
Hiroshima.
6. August 1945 – 8 Uhr 15
Es gehört zu perfiden Dialektik des Fortschritts, dass man sich über die zerstörerische Sprengkraft der Atombombe in den Vereinigten Staaten sehr wohl im Klaren war, gleichwohl aber keine Erkenntnisse über die verheerenden Auswirkungen der radioaktiven Strahlungen hatte. Die Atombombe ist die Waffe, die die Logik des Krieges in jenem Zeitalter bezeichnet, in dem ökonomische Effizienz und Leistung alle …
Barfuß durch Hiroshima
Als am 6. August 1945, um 8:15 Uhr morgens sechshundert Meter über Hiroshima die Atombombe detonierte, war der damals sechsjährige Keiji Nakazawa einen guten Kilometer vom Hypozentrum entfernt in der Schule. Im Schutz einer Betonmauer überlebt Nakazawa die grausame Hitzewelle, die über die japanische Großstadt hinwegfegt. Sein Vater, sein jüngerer Bruder und seine ältere Schwester kamen ums Leben. …

