Der Gesellschaftsbiograf:
Siegfried Kracauers Errettung der äußeren Wirklichkeit
»Wenn der Unterbau in Ordnung wäre, dürfte man ruhig im Überbau leben.« Siegfried Kracauer »Die Errettung der äußeren Wirklichkeit« lautet der Untertitel von Siegfried Kracauers 1960 erschienenem, monumentalen Hauptwerk ›Theorie des Films‹. »Die Errettung der äußeren Wirklichkeit« – das ist zugleich Kracauers Programm einer kritischen Theorie in nuce; ein Satz, der ohne weiteres als Forderung zu lesen ist …
Die Philosophie der symbolischen Formen
Heinz Paetzold, ›Ernst Cassirer zur Einführung‹, Junius Verlag: Hamburg 1993, 144 Seiten brosch. (33)
Nach dem Ende der Geschichte
Srecko Horvat, ›Nach dem Ende der Geschichte. Vom Arabischen Frühling zur Occupy-Bewegung‹, aus dem Kroatischen von Blazena Radas, Laika Verlag: Hamburg 2013, 261 S. brosch. (46)
Schönheit als Glücksversprechen
Das Schöne und das Erhabene sind die beiden Schlüsselbegriffe der neuzeitlichen Ästhetik, die sich seit Baumgarten im philosophischen Diskurs etabliert hat. Vor allem mit dem Begriff des Schönen verband sich aufs Engste die Idee des Guten und Wahren, die das Bürgertum schließlich in Wirklichkeit umsetzen wollte: in der Schönheit sollte die in die Welt gesetzte Vernunft anschaulich werden. …
Zerstreuung für alle!
»Die hier abgedruckten Texte verstehen sich aber kaum als fertige Kunstwerke, vergleichbar etwa der Schriftform von Hörspielen oder Dramen. Vielmehr wollen sie gelesen sein als Entwürfe einer Praxis, die sich selbst reflektiert und Diskurse über die Möglichkeiten von Radioarbeit in Gang setzt. Daher sind sie vor allem als Versuche zu begreifen, offen für einen Gebrauch, durch den sie …
Die Ästhetik des Materials.
Der Medientheoretiker Rudolf Arnheim
Es ist das Dilemma der Medientheorie, die sich in den letzten Jahrzehnten als letzte Stufe der Kulturalisierung der Gesellschaftskritik etabliert hat, dass sie ihren Gegenstand – die Medien – zugleich überbewertet und unterschätzt. Ihr Ausgangspunkt ist das Material einer Technik, von der sie paradox die Materialität abstrahiert: insbesondere die postmoderne Medientheorie konzentriert sich auf das Immaterielle, die Ströme, …
Der Schlaf der Vernunft
Lieschen: »Nicht mir, nicht mir!
Zu Hilfe kamen äußere Momente,
Doch alles dankst du lediglich am Ende
Dem eignen Selbst, das ernst und tief
Dir wieder ins Bewusstsein rief
Ihn, der vorübergehend schlief:
Kants kategorischen Imperativ.«
– Friedrich Theodor Vischer, ›Faust. Der Tragödie dritter Teil‹
Laokoon stirbt
Anfang des sechzehnten Jahrhunderts wird in Rom zwischen Ruinen eine Marmorskulptur entdeckt, die als Laokoon-Gruppe berühmt wird und seither im Vatikanischen Museum zu besichtigen ist. Sie zeigt den trojanischen Priester Laokoon und seine beiden Zwillingssöhne im Todeskampf mit zwei von Athena geschickten Schlangen. Die Figurengruppe, die übrigens selbst eine Kopie ist, hat für das Menschenbild der Renaissance und der Neuzeit enorme Bedeutung – auch wenn oder gerade weil sie vom Mythos handelt: Denn hier geht es durchaus um die Wirklichkeit, und überdies um die Frage, inwieweit Kunst geeignet ist, diese Wirklichkeit als solche zu erfassen. Können Schmerz und Leiden mit den Mitteln der Schönheit dargestellt werden? Lässt sich ästhetisch das Sterben anschaulich machen? Bereits in der Antike werden diese Fragen in Hinblick auf die Unterschiedlichkeit der Künste untersucht. Mit der Renaissance entwickelt sich daraus um 1500 der so genannte Paragone, der Wettstreit der Künste, bei dem hauptsächlich Malerei versus Plastik versus Architektur verhandelt wurden (der Streit beginnt 1430 mit Leon Battista Albertis Schrift ›Trattato della pittura‹, in der er sich für die Malerei ausspricht).

