Die Ästhetik des Materials.
Der Medientheoretiker Rudolf Arnheim
Es ist das Dilemma der Medientheorie, die sich in den letzten Jahrzehnten als letzte Stufe der Kulturalisierung der Gesellschaftskritik etabliert hat, dass sie ihren Gegenstand – die Medien – zugleich überbewertet und unterschätzt. Ihr Ausgangspunkt ist das Material einer Technik, von der sie paradox die Materialität abstrahiert: insbesondere die postmoderne Medientheorie konzentriert sich auf das Immaterielle, die Ströme, …
Laokoon stirbt
Anfang des sechzehnten Jahrhunderts wird in Rom zwischen Ruinen eine Marmorskulptur entdeckt, die als Laokoon-Gruppe berühmt wird und seither im Vatikanischen Museum zu besichtigen ist. Sie zeigt den trojanischen Priester Laokoon und seine beiden Zwillingssöhne im Todeskampf mit zwei von Athena geschickten Schlangen. Die Figurengruppe, die übrigens selbst eine Kopie ist, hat für das Menschenbild der Renaissance und der Neuzeit enorme Bedeutung – auch wenn oder gerade weil sie vom Mythos handelt: Denn hier geht es durchaus um die Wirklichkeit, und überdies um die Frage, inwieweit Kunst geeignet ist, diese Wirklichkeit als solche zu erfassen. Können Schmerz und Leiden mit den Mitteln der Schönheit dargestellt werden? Lässt sich ästhetisch das Sterben anschaulich machen? Bereits in der Antike werden diese Fragen in Hinblick auf die Unterschiedlichkeit der Künste untersucht. Mit der Renaissance entwickelt sich daraus um 1500 der so genannte Paragone, der Wettstreit der Künste, bei dem hauptsächlich Malerei versus Plastik versus Architektur verhandelt wurden (der Streit beginnt 1430 mit Leon Battista Albertis Schrift ›Trattato della pittura‹, in der er sich für die Malerei ausspricht).
Jahrhundertwende
Wolfgang Fritz Haug: »Mir scheint, dass man in anderer Hinsicht sagen könnte: so wenig Anfang wie im Moment war noch nie. Es scheint keine Energien, keine Phantasie, keine Kräfte, keine Handlungsfähigkeit zu geben, um dieses herumliegende Material zu bearbeiten.« (›Ende der Nachkriegszeit – Ende des Antifaschismus?‹, Oskar Negt im Gespräch mit Wolfgang Fritz Haug, in: ›Das Argument. Zeitschrift …
The Political Sphere
in Art Practices
The website project »The Political Sphere in Art Practices« is offering key findings, which were gained from interviews that artist Martin Krenn conducted with experts of the field of social practice art. The interviewees are Grant Kester, Margit Czenki, Christoph Schäfer, Roger Behrens, Neala Schleuning, Mary Jane Jacob, Gregory Sholette and Nora Sternfeld.
The project provides an interactive dialogical platform constructed as a modular system of questions, answers and categories. It serves as an artistic research tool for artists, critics, academics and other people interested in the subject. Krenn offers a meditative and contemplative way of discussing art theory and art practice.
Kommunismus für Kinder
Ernst Bloch: »Wo Hoffnung ist, ist auch Religion; nicht gilt freilich, in Ansehung der von Himmel und Obrigkeit verhängten Religion, die Umkehrung: Wo Religion ist, ist auch Hoffnung. Vielmehr geht genau von der menschlichen Hoffnung, der mit besserem Novum verbündeten, die stärkste Kritik gegen re-ligio als repressive, regressive Rück-Bindung aus; gegen hoch droben fertig Vorgesetztes, zum Unterschied von …
Spektakel, Nihilismus, Dschungelcamp, Gegenwartskunst, Selfies, Ende
Eine These schon einmal gleich vorweg: Die kritische Theorie der Kulturindustrie, die Adorno zusammen mit Horkheimer in der ›Dialektik der Aufklärung‹ unter Bedingungen der U.S.-amerikanischen Massendemokratie und mit Blick auf diese entfaltet hat, ist keine Kulturkritik, sondern das, was kritische Theorie ohnehin ist: radikale Gesellschaftskritik. Radikal ist sie im Sinne des berühmten Marxwortes vom An-die-Wurzel-Gehen, was der Mensch …
Funktionalismus gestern
In der kapitalistischen Klassengesellschaft ist der Funktionalismus von Anfang an mit dem Widerspruch behaftet gewesen, sofern nach seinen Maßgaben versucht wurde, eine Gesellschaft zu funktionalisieren, die strukturell gar nicht funktionalisierbar ist.





