Herbsttrimester 2020: Kritische Theorie der Gesellschaft, Bildungsphilosophie und pädagogische Praxis

HSU
HT 2020:
Kritische Theorie der Gesellschaft, Bildungsphilosophie und pädagogische Praxis

Die kritische Theorie gilt als interdisziplinäre Sozialforschung, die die unterschiedlichsten »sozialen Verhältnisse« (Marx) in Hinblick auf die »konkrete Totalität« (Marx, Lukács) zu begreifen versucht; entscheidend für die kritische Theorie ist dabei die Einsicht, dass die Sozialforschung selbst bereits ein Element dieser sozialen Verhältnisse konkreter Totalität ist – und also um kritisch zu sein notwendiger Weise programmatisch an die Reflexion über die eigene Stellung im Forschungsprozess und -zusammenhang gebunden ist: Wissenschaft wird damit zum Programm der Praxis radikaler Aufklärung (H. Schweppenhäuser); um dies zu gewährleisten, wird unabhängig von politischen Parteien und unmittelbarer akademischer Einbindung Mitte der 1920er Jahre das Institut für Sozialforschung gegründet.
Bemerkenswert ist, dass die Forschungen in Bezug auf pädagogische Themen ambivalent bleiben: Zwar geht es in den Großstudien über ›Autorität und Familie‹ (1936) und zur ›Authoritarian Personality‹ (1950) auch um Erziehung und Bildung, aber nicht explizit; pädagogische Einrichtungen und Bildungsinstitutionen (Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Berufsschulen, Universitäten etc.) waren nie dezidierter Forschungsgegenstand, gleichwohl zweifellos in den »Hauptwerken« der kritischen Theorie (neben Horkheimers und Adornos ›Dialektik der Aufklärung‹ seien erwähnt: Adornos ›Minima Moralia‹ und ›Negative Dialektik‹, Marcuses ›Triebstruktur und Gesellschaft‹ sowie ›Der eindimensionale Mensch‹ …) im weitesten Sinne pädagogische Fragen durchaus virulent sind.
Überdies schließen die Strömungen der kritischen Erziehungswissenschaft an die kritische Theorie an: neben Heydorn, Mollenhauer, Gamm ist hier vor allem auf Negt zu verweisen.
In diesem Seminar geht es
a) um eine Einführung in die kritische Theorie (und ihre theoriegeschichtliche Entwicklung),
b) um eine Rekonstruktion einer kritischen Theorie der Pädagogik,
c) um eine Einführung in die kritische(n) Erziehungswissenschaft(en),
d) um die Kritik der (aktuellen) Bildungsphilosophie und pädagogischen Praxis.

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