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Wintersemester 2016 / 2017:
Bildung, Identität, Kultur – im Zeitalter des globalen Kapitalismus

Wir leben in einem Zeitalter der Globalisierung, das gilt als hinlänglich bekannt, und diese Globalisierung als allenthalben herrschenden Kapitalismus zu bezeichnen, ist längst zum Allgemeinplatz geworden. Bildung – was immer damit auch gemeint ist – vermittelt keinen exklusiven Zugang mehr, um sich mit dieser oder jener Meinung »kritisch« einzumischen; alle dürfen irgendwie mitreden. Auch der Bereich der Kultur – ebenfalls seit jeher in der bürgerlichen Gesellschaft nur vage definiert – ist kein Terrain mehr, auf dem sich die exklusive Position der Aufklärung, der Erkenntnis, der Wissenschaft, der Emanzipation etc. verorten lässt. Damit stehen ›Bildung‹ und ›Kultur‹ als »Deutungsmuster« (Georg Bollenbeck) infrage: Wird denn das, was mit ›Bildung‹ und ›Kultur‹ an Werten, Normen, Wissen, Haltungen oder Lebensweisen verteidigt wird, noch benötigt? »Funktionieren« ›Bildung‹ und ›Kultur‹ überhaupt noch? Berührt sind damit grundlegende Probleme des Menschen im Zeitalter eben dieses globalen Kapitalismus, und es kommt vielleicht nicht von ungefähr, dass die aktuellen Diskurse über Bildung (und Kultur) begleitet werden von Diskussionen zur Identität, die mal amüsant-populärwissenschaftlich daherkommen (›Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?‹), mal akademisch-modern (Genderdebatte), mal politisch-bedrohlich (Integrationsdebatte, neuer Nationalismus).
Virulent werden damit erziehungswissenschaftlich beziehungsweise, allgemeiner, subjekttheoretisch praktische Fragen zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft heute: Was bedeutet in diesem Zusammenhang Bildung und Kultur? Inwiefern gehören Bildung und Kultur heute noch zu den »Techniken des Selbst« (Michel Foucault), um sich in dieser Welt zurechtzufinden, um diese Welt zu verstehen – und um sich selbst so zu verstehen, dass es gelingt, sich einigermaßen sicher in dieser Welt zu orientieren? Oder, philosophisch, nach Kant: Was soll ich tun, was darf ich hoffen, was kann ich wissen – was ist der Mensch?

(Seminar: Bildung und Erziehung inklusive selbstorganisierter Übung)

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