Was ist Bildung am Anfang des 21. Jahrhunderts? Begriffe und Probleme« – Universität Lüneburg, Fachbereich Kulturwissenschaften (Sprache und Kommunikation)
Dienstag.
Die Kultur des 20. Jahrhunderts ist durch einen grundlegenden und fortdauernden Transformationsprozess gekennzeichnet, der schließlich die Bedeutung von Kultur – als Praxis wie als Begriff – in Frage stellt. Davon betroffen sind auch jene Felder des Kulturellen, die bisher eher als stabilisierend für die soziale Praxis wahrgenommen wurden: zum Beispiel Bildung, ihre Idee und der ihr zu Grunde liegende Wertekanon. Bildung scheint unabhängig von ihren verschiedenen Begriffen – materiale oder formale Bildung, Allgemeinbildung, Berufsbildung etc. – problematisch geworden zu sein: Welchen Zweck und Sinn hat die klassische Bildung heute noch angesichts einer globalisierten, von den Massenmedien bestimmten Gesellschaft? Kann ein mit der romantischen Tradition des Neuhumanismus noch immer verbundener Bildungsanspruch den Erfordernissen einer so genannten Wissensgesellschaft, von der heute die Rede ist, entsprechen? Ist Bildung als »Selbstverfertigung des Individuums« (Humboldt) immer noch Orientierung in unserer modernen Welt, oder blockiert sie vielleicht sogar die nötige Erneuerung und Erweiterung einer zeitgemäßen Strategie zur Selbstbestimmung des Individuums? Diese Fragen sollen anhand verschiedener bildungs- und gesellschaftstheoretischer Ansätze diskutiert werden. Fruchtbar sind hierbei die Debatten der Cultural Studies, die diese Diskrepanz zwischen Bildungsidee und -realität bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts problematisierten.
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